Wohnquartier Marienweg in Konstanz-Litzelstetten

Städtebauliches Konzept

 Der Grundgedanke des Entwurfs besteht darin, die differenzierte Struktur der Umgebung im neuen Quartier aufzunehmen, zu systematisieren und zu ordnen.

Vier Baukörpertypen – Schollen, sind in scheinbar loser Folge in die Obstwiese eingestreut.

Durch leichte Verschiebungen der Schollenstruktur entsteht ein spannungsreicher Kontrast zwischen urbaner Dichte und großzügigen Grünbereichen.

Die Gebäude passen sich in ihrer Höhenentwicklung der Hanglage an. Der Wechsel der Geschossigkeit zwischen 2 + 3 -geschossigen Baukörpern, ergibt eine variantenreiche dreidimensionale Körnung.

Der Versatz der Schollen zueinander und die Varianz in der Höhenentwicklung ermöglicht auch eine Vielzahl von Blickbeziehungen zum Ortskern und zum See.

Wichtig erscheint uns ein helles, modernes Erscheinungsbild :

–           Weisse Baukörper auf grüner Wiese  –

Erschließung und Rettungswege

 Die barrierefreie Erschließung verläuft entlang der Höhenlinien des Gebietes und ist ausschließlich dem Fußgänger- und Radverkehr gewidmet.

Die Erschließung für den Autoverkehr soll zu geringem Teil über den Marienweg im Westen, hauptsächlich aber über die Martin-Schleyer-Straße im Osten erfolgen.

Von der Martin-Schleyer-Straße sind zwei Tiefgarageneinfahrten vorgesehen. Über diese Tiefgaragen sind nahezu alle Häuser direkt angebunden. Hier sollen auch Anlieferung für z.B. Möbeltransporte erfolgen.

Müllstandorte sind ausschließlich an den Straßen vorgesehen, die Feuerwehr kann sich ebenfalls auf den umgebenden Straßen aufstellen. Zudem gibt es eine Feuerwehrzufahrt über einen bisher als Fußweg genutzten Weg und mit daraufhin folgender Abfahrt gen Martin-Schleyer-Straße. Ein Rückwärtsstoßen ist demnach nicht erforderlich. Die Angriffswege mit 50m zu jeder Wohneinheit sind eingehalten. Eine Anleiterung mit Leiterfahrzeugen ist nicht erforderlich.

Schallschutz

 Die Gebäude entlang der Martin-Schleyer-Straße schirmen die rückwärtige Bebauung vor dem Straßenlärm. Eine durchgehende Schallschutzbebauung ist aus Gründen der Maßstäblichkeit nicht vorgesehen. Die Wohnungen in diesen Gebäudeteilen sind großteils durchgesteckt, die schützenswerten Räume sind zum ruhigen Hof hin orientiert.Wo dies nicht möglich ist, oder im weiteren Verlauf nicht gewünscht wird, müssen Maßnahmen zum Schutz vorgesehen werden. In jedem Fall wird eine kontrollierte Wohnungslüftung nötig sein.

 

Bauphysikalisches Gebäudekonzept

– Bauform:

Die Baukörper erhalten je nach Nutzung und Orientierung unterschiedliche Fassadenstrukturen (nach Norden eher geschlossen, nach Süden mit großzügigen Glasflächen), um solare Gewinne zu optimieren und den Wärmebedarf gering zu halten.

– Konstruktion:

Die Gebäude werden als Holz-Kalksandstein-Beton Hybridbauweise erstellt. Der interne Schallschutz wird über schwere Materialien sichergestellt, die Aussenwandkonstruktion nutzt den Dämmwert und die positiven bauphysikalischen Eigenschaften des Holzes. Mit einer Wandstärke von ca. 38 cm kann eine Aussenwand konzipiert werden, die einen kfw40-Standard des Gebäudes ermöglicht.

 Energetisches Gesamtkonzept

 Eine Nahwärmeversorgung für das Gesamtareal erscheint aufgrund des geringen Energiebedarfs im Sommer als nicht wirtschaftlich.

Vorgeschlagen wird daher die wirtschaftlich dauerhaft verbundenen Baukörper in einer Einheit zu versorgen. Ziel ist die Wärmeversorgung über eine Grundwasser-Wasser- Wärmepumpe zu gewährleisten. Der dazu notwendige Strombedarf kann über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach mehr als kompensiert werden. Ziel ist es, einen Nullenergiestandard in Bezug auf die Primärenergie zu erreichen.

Freiflächen

 Das neue Quartier ist durch seine starke Hangneigung geprägt, diese beeinflußt folglich auch die Freiflächen maßgeblich.

Die schollenartige Bebauung bildet fünf Zonen aus, die das Thema der ursprünglichen Streuobstwiese aufnehmen. So entstehen 5 Obstwiesen – Birnen, Kirsch, Apfel und Zwetschgenwiese – die die Freiflächen auch namengebend definieren. Darüberhinaus gibt es eine Spielwiese, die multifunktional genutzt werden kann. Zwischen den Schollen, an den Wegeverbindungen, entstehen Knotenpunkte, die mit Sitzgelegenheiten unter Bäumen Möglichkeit zu Rast und Kommunikation geben.

Desweiteren sind mehrere Spielbereiche angedacht, die dem natürlichen Geländeverlauf angepaßt sind. Besondere Spielbereiche für Kleinkinder finden in den gemeinschaftlich genutzten Dachgärten ihren Raum. Durch die abwechslungsreiche Zonierung wird dem hohen Anspruch an den Freiraum gerecht.

Gebäude und Wohntypologien

 Das städtebauliche Konzept beruht auf vier unterschiedlich großen, schollenartigen Gebäudetypen. Alle Gebäudetypen können unterschiedlichste Wohnformen aufnehmen. Das real geteilte Reihenhaus ist ebenso darstellbar wie das Mehrfamilienhaus für Mietwohnungen oder Appartments. Auch neue Wohnformen wie Wohngruppen, die aus mehreren „Cluster“ bestehen und eine gemeinsame Küche mit Wohnbereich haben, sind realisierbar.

In allen Gebäudetypen spielt die Nutzung der Dachflächen eine große Rolle. Dort oben ist der Blick am Schönsten, daher bieten sich die Flächen zur Erholung und zum Treffpunkt in allen Mehrfamilienhäusern an.

Nutzungsaufteilung

Das Konzept sieht eine durchmischte Verteilung zwischen Eigentums-Wohneinheiten, Mietwohnungen und Baugruppen vor.

Einheiten aus Mehrfamilienhäusern wechseln sich mit Reihenhäuser-Typen ab. Die nördliche Kante der Ortsabrundung wird dabei bewußt zweigeschossig gehalten um einen angemessenen Übergang zwischen besiedeltem Gebiet und Landschaft zu bewirken.

Die Aufgabenstellung zur Interpretation von innovativen Ein- und Mehrfamilienhäusern wurde wie folgt dargestellt: verschiedene

Wohnmodelle in der gleichen Grundform – hier Gebäudetyp A, B, C oder D –

können gleichermaßen in derselben „Gebäudehülle“ stattfinden. Eine individuelle und nachfolgende Anpassung durch die Ausloberin in Kommunikation mit den privaten Grundstückseignern ist denkbar.

Als weitere Besonderheit kann im Gebäudetyp A eine Wohngemeinschaft initiiert werden. Mehrere 1-Zimmer-Appartments (Cluster) reihen sich an einem Flur entlang. Ein großzügiger Gemeinschaftsbereich mit Küche, Ess- und Wohnbereich erweitert den Wohnraum. Zusätzliche Freiflächen auf dem Dach ermöglichen freien Blick in alle Richtungen und stärken den gemeinschaftlichen Gedanken.

Gebäudetyp A kann als Mehrfamilienhaus mit verschiedenen Wohnungsgrößen, wie im Vertiefungsbereich dargestellt, umgesetzt werden. Gleichermaßen ist in derselben Grundform die Realisierung von Reihenhäusern möglich.

Hier gibt es eine weitere Variation, indem im größten Reihenhaustyp eine

Einliegerwohnung möglich ist. Diese ist hellgelb dargestellt. Über die Treppe gelangt man in den Schlafbereich mit Bädern. Im Dachgeschoss befindet sich der Wohnbereich als durchgesteckte Lösung mit direkt angrenzender Dachterrasse, die die verschiedenen Blickrichtungen optimal ausnutzt.

Zeitraum

Typ

Status

Ausloberin

Location

Größe

Projektleitung

Team

2017

Städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb

Abgeschlossen

Stadt Konstanz

Konstanz, Deutschland

1,5 ha

Lothar Grassinger

Birgit Dietrich

Annette Frischeisen

Riem WA8

Riem WA8, München-Riem Wohnungsbau 2012-2015
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